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¦ Defibration für Laien ¦ Alkohol spielt fast nie die Hauptrolle bei Skiunfällen ¦ Posttraumatische Stressbewältigung ¦


Defibrillation für Laien ??

In der Schweiz sterben jährlich rund 10'000 Personen am plötzlichen Herztod. Oft kommt es dabei zuerst zu einer unkoordinierten Ausbreitung der elektrischen Erregung im Herzmuskel, einem sogenannten Kammerflimmern, das einzig mit einem von aussen applizierten elektrischen Stromstoss beendet werden kann. Die Chance jemanden erfolgreich wiederzubeleben, hängt davon ab, wie schnell medizinische Hilfe zur Stelle ist, wie rasch also das tödliche Kammerflimmern unterbrochen werden kann. Daher wird versucht, auch Laien mit dem Defi vertraut zu machen.

Beste Ueberlebenschance im Spital

Der Defibrillator wird über zwei Elektroden am Brustkorb des bewusstlosen Patienten angeschlossen. Die modernen portablen Geräte sind in der Lage, unterschiedliche Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Handelt es sich um ein Kammerflimmern, wird der Anwender über einen Lautsprecher aufgefordert, einen Stromstoss auszulösen. Eine erfolgreiche Defibrillation beendet die gefährliche Herzrhythmusstörung; das Herz schlägt wieder in seinem normalen Takt.

Im Spital – vor allem auf der Intensivstation steht der Zeitfaktor nicht im Vordergrund. Denn hier können Ärzte und Pflegepersonal neben der Defibrillation auch andere lebensrettende Massnehmen rasch und korrekt anwenden: Der Patient kann künstlich beatmet und die Herzfunktion mittels Herzmassage vorübergehend aufrecht erhalten werden, die notwendigen Medikamente stehen zur Verfügung und können intravenös verabreicht werden. Die Überlebenschance nach einem Herzstillstand ist deshalb nirgends so gut wie im Spital.

Die meisten Menschen brechen jedoch in ihren eigenen vier Wänden, auf der Strasse oder beim Sport zusammen. Die Überlebenschance in diesen Fällen ist praktisch gleich null, da nur während der ersten Minuten eines Kammerflimmerns die Chance einer erfolgreichen Defibrillation besteht. Eine Regel besagt denn auch, dass mit jeder Minute, die bis zur Defibrillation verstreicht, zehn Prozent der Patienten sterben. Nach acht Minuten beispielsweise beträgt die Chance zu überleben nur noch zehn bis zwanzig Prozent.

Immer mehr Laien lernen die Technik von Beatmung und Herzmassage. Deshalb, so das Argument der amerikanischen Herzgesellschaft, sollte es auch möglich sein, Laien in der Anwendung eines Defibrillators zu schulen. Seit einigen Jahren unterstützt diese Gesellschaft deshalb die Ausbildung von Laien, um möglich oft eine frühzeitige Defibrillation zu gewährleisten. Doch der beste Kurs nützt nichts, wenn keine Geräte zur Verfügung stehen. Verschiedene Projekte befassen sich daher auch mit der Frage, wo überall Defibrillatoren stehen sollten. Denkbar sind etwa stark frequentierte Plätze in grossen Städten, wichtige Einkaufsgeschäfte und öffentliche Gebäude wie Flughäfen und Bahnhöfe. In Amerika sind auch bereits einzelne Polizei- und Feuerwehreinheiten mit Defibrillatoren ausgerüstet.

Defibrillatoren in Kasinos

Eine kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte den Nutzen von Defibrillatoren in amerikanischen Kasinos. Mehr als tausend Sicherheitsbeamte aus Nevada und Mississippi wurden in der Anwendung einer Defibrillators unterrichtet. Alle Beamten waren medizinische Laien, hatten allerdings bereits einen Kurs in Beatmung und Herzmassage absolviert. Der Defibrillations-Kurs vermittelte während rund sechs Stunden theoretische und praktische Kenntnisse und schloss mit einem Test. Die Defibrillatoren wurden in den Kasinos so verteilt, dass es möglich sein sollte, einen zusammengebrochenen Gast innerhalb von drei Minuten zu behandeln.

Während der Beobachtungszeit von zweieinhalb Jahren defibrilierten die Beamten 105 Personen mit Kammerflimmern. Mehr als die Hälfte der so behandelten Patienten überlebte bis zur Entlassung aus dem Spital. Bei neunzig Personen gab es Zeugen für den Zusammenbruch. In diesen Fällen verstrichen im Schnitt nur dreieinhalb Minuten, bis der Defibrillator am Körper angeschlossen war. Eine weitere Minute dauerte es, bis der Sicherheitsbeamte den lebensrettenden Stromstoss abgegeben hatte. Die Rettungssanitäter standen nach durchschnittlich zehn Minuten auf dem Platz.

Diese Untersuchung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Defibrillation: von denjenigen Personen, die innerhalb von drei Minuten nach ihrem Zusammenbruch defibrilliert wurden, überlebten mehr als siebzig Prozent. Nach dieser Zeitdauer sank die Überlebensrate auf knapp fünfzig Prozent.

... und in Flugzeugen

Eine andere Studie untersuchte den Nutzen von automatischen Defi’s in Flugzeugen der American Airlines. Alle 24'000 Flight Attendants wurden geschult. Zwischen 1997 und 1999 kamen die Geräte bei 200 Personen zum Einsatz, wobei dreizehn Mal wegen eines Kammerflimmerns defibirilliert werden musste. In allen Fällen genügte ein einziger Stromstoss, um die tödliche Herzrhythmusstörung zu beenden. In dieser Studie betrug die Überlebensrate vierzig Prozent.

Die genaue Analyse der Protokolle zeigte zudem, dass die automatischen Defi’s alle Patienten mit einem Kammerflimmern erfasst und keine anderen Rhythmusstörungen irrtümlich als Kammerflimmern diagnostiziert hatten. Damit scheint die Befürchtung vieler Skeptiker entschärft, wonach der Einsatz von automatischen Defi’s durch Laien wegen falscher Indikationsstellung zu gefährlichen Komplikationen führen könnte.

Die Defi’s wurden oft auch als „gewöhnliche“ Monitoren verwendet. Auf Grund der Herzstromkurve (EKG) konnte ein anwesender Arzt entscheiden, ob die von einem Passagier geäusserten Beschwerden vom Herzen ausgingen oder nicht. Unnötige Notlandungen konnten so in manchen Fällen vermieden werden.

Auch die Swissair führt Defi’s in ihren Flugzeugen mit. Als erste europäische Fluggesellschaft hat das Unternehmen vor zwei Jahren die gesamte Flotte damit ausgerüstet, wie von Severin Muff, Leiter des ärztlichen Dienstes der Swissair, zu erfahren ist. Die Geräte seinen bisher – vorwiegend zum Einsatz gekommen, wobei ein Passagier mit einem Kammerflimmern erfolgreich wiederbelebt werden konnte.

Projekt der Feuerwehr Olten

In der Region Olten führen Feuerwehrleute mit einer speziellen Ausbildung seit kurzen einen Defi mit. Damit soll nach Auskunft des Kardiologen Hugo Saner, Co-Leiter des Projektes, gewährleistet werden, dass eine Defibrillations innerhalb von sechs bis acht Minuten erfolgen kann. Die Ambulanz hingegen braucht im Schnitt eine Viertelstunde, bis sie an Ort und Stelle ist. Das hat lauter Saner damit zu tun, dass die regionalen Feuerwehren weniger zentral organisiert sind und deshalb kürzere Anfahrtswege haben.

Bis jetzt sei es erst zu einer einzigen Defi gekommen, so Saner, weshalb noch keine Aussage über den Nutzen des Projekts gemacht werden könne. Ab Januar 2001 werden die Daten während zweier Jahre in einer prospektiven Studie gesammelt und ausgewertet. Dann wird sich zeigen, ob das Feuerwehrsystem Leben retten hilft.

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Der Alkohol spielt (fast) nie die Hauptrolle bei Skiunfällen

Auf den Schweizer Skipisten herrscht kein generelles Alkoholproblem. Zu diesem Schluss kommt eine gestern veröffentlichte Studie der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Entgegen Berichten vergangener Jahre über den steigenden Konsum von Alkohol auf Skipisten stellt eine Studie der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) kein generelles Problem fest. Die in der Wintersaison 1998/1999 in der Skiregion Davos durchgeführte Erhebung ergab, dass nachmittags 1 Prozent der getesteten Personen Alkoholwerte von über 0.5 Promille aufwiesen. Von den 76 getesteten Verunfallten hatte nur gerade eine Person mehr als 0.1 Promille. Erst nach Betriebsschluss der Transportanlagen stieg der Anteil der angetrunkenen Schneesportler auf 27 Prozent. Es handelte sich dabei um Leute, die in einer Skihütte sitzen blieben und erst am späteren Nachmittag auf den meist freien Skipisten die Abfahrt antraten. Unterscheide des Alkoholkonsums zwischen Skifahrern und Snowboardern wurden keine festgestellt.

Kollisionen nahmen nicht zu

Hauptzweck der Studie war die Klärung von Zusammenstössen von Schneesportlern, nachdem solche Kollisionen in der Saison 1997/98 vier Todesopfer in der Schweiz gefordert hatten. Trotz der verschiedenen Fahrweisen von Skifahrern, Snowboardern und Carvern wurde keine auffällige Zunahme der Personenkollisionen festgestellt. Solche Zusammenstösse machen nach wie vor rund 5 Prozent aller Unfälle aus.

Weiterer Abklärungen bedarf laut der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung jedoch das doppelt so grosse Unfallrisiko der Snowboarder im Vergleich zu den Skifahrern. Ein Erklärungsansatz sei möglicherweise die erhöhte Risikobereitschaft der zumeist jungen Snowboarder. Auf Grund der von der ETH Zürich durchgeführten Studie „Personenkollisionen beim Schneesport“ kommt die BfU zum Schluss, dass den Pistenregeln bei Ausbildung, Schulung und Information mehr Gewicht beigemessen werden sollte.


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Jr) Posttraumatische Stressbewältigung – kein Thema für harte Männer ??

Die Schweiz hat ein flächendeckendes, technisch hochentwickeltes, beinahe perfektes Rettungswesen. Die Ausbildung des Rettungspersonals ist sehr gut. Leider fehlt die psychologische Betreuung der Retter in sehr vielen Fällen. Namentlich die Behandlung posttraumatischer elastungsstörungen liegt noch im Argen.

Vergebens sucht man in den Ausbildungsunterlagen, notfallmedizinischen Lehrbüchern u.ä. nach psychologischen Hilfen für die Retter. Während des Einsatzes ist für belastende Gedanken kaum Platz. Stunden oder Tage nach dem Ereignis fallen viele an der Rettungskette Direktbeteiligte in zum Teil schwere Depressionen. Da setzt die eigentliche Problematik ein. Rettungschefs sind in den wenigsten Fällen in der Lage, in solchen Situationen ihre Aufgabe als Führungskraft und Helfer wahrzunehmen. Die Ausbildung vergisst ganz einfach dieses Problem. Man verlangt vom Rettungspersonal grosse Entscheidungskompetenz, hohe Verantwortung und Bewältigungsfähigkeit, soziales Einfühlungsvermögen, Betreuungs- und Kommunikationsfähigkeit, ohne es aber in irgendeiner Weise auf die persönliche Seelenlage vorbereitet zu haben.

Panik und Stress
Die Schwierigkeiten erhöhen sich vor allem in ungewöhnlichen Einsatzsituationen. Wetter, extremes Gelände, persönliche Tagesform, Gruppenverhalten, Arbeitbedingungen usw. sind erschwerende Faktoren in der organisierten Rettung und ermöglichen vielfach erst zum Beispiel Panik, Stress und individuelles Fehlverhalten. Unter Panik versteht man eine angstvolle, kopflose Erregung, die von Betroffenen, Passanten auch auf die Retter übergehen kann. Je grösser die innere Sicherheit und Ausgeglichenheit des Retters, desto geringer die besteht die Gefahr, das er selber Opfer der Panik wird, Die persönliche Erfahrung, Stabilität und Selbstsicherheit verhindern das Chaos, das aus Panik resultiert. Dabei kommt es leicht zu Konflikten zwischen den Anwesenden. Stress ist einfacher ausgedrückt eine Belastung des Organismus durch äussere und innere Reize, die das normale Mass übersteigen. Jeder Retter reagiert unterschiedlich auf die sogenannten Stressoren. Ein unerfahrener Patrouilleur gerät eher in Stress als ein erfahrener.

Stressfaktoren sind u.a.

  • erhöhte Geschwindigkeit bei der Schlittenfahrt zum Unfallort
  • keinerlei oder wenig Informationen über Art der Verletzung, Zustand des Patienten, den genauen Unfallort usw
  • Gerüche, Schreie Anblicke
  • persönliche Betroffenheit (Kinder, persönliche Bekannte).

Individuelles Fehlverhalten
Fehlverhalten aufgrund äusserer und innerer Bedingungen können in Form von Aengsten, Schock, Blockierung auftreten. Die schlimmsten Auswirkungen ergeben sich dabei, wenn die Führungskraft von solchen Fehlreaktionen betroffen wird. Individuelles Fehlverhalten kann auch ein psychischer Schock sein. Die Wirkung ist katastrophal. Orientierungslosigkeit, höchste Erregung oder Erstarrung. Man unterscheidet folgende, zum Fehlverhalten prädestinierte Typen: der vulkanische Kämpfer, der chronische Hetzer, der gereizte Zeitvergeuder oder die EinmannkapelIe.

Die Mehrzahl der Unfälle im Pistendienst wirken sich durch ihre relative Harmlosigkeit glücklicherweise kaum belastend auf die Psyche des engagierten Patrouilleurs aus. Doch die Zahl der Unfälle mit Schwerstverletzten oder gar Toten ist nicht zu vernachlässigen. In der Ausbildung gilt das persönliche, helfende Gespräch zur Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen des Einzelnen als absolutes Tabuthema. Harte Männer reden über solche Sachen nicht!

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Führungskraft und aber auch direkt Betroffener weiss ich, dass in diesem Bereich vieles im Argen liegt und manch einer seinen Beruf gerade aus diesem Grunde an den Nagel gehängt hat.

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